Evaluation des Netzwerkes

 Auszug aus der Diplomarbeit von Gerlinde Kellner (2003):

Struktur und Entwicklungsmöglichkeiten des Kompetenz-Netzwerkes Mechatronik im Landkreis Cham

 

4. Gesamtbetrachtung und Schlussfolgerungen

An Netzwerke werden hohe Erwartungen als Beschäftigungs- und Wachstumsförderer gestellt. In Untersuchungen, welche die Existenz von innovativen Netzwerken in verschiedenen Regionen der Industrieländer aufzeigen, findet diese Hoffnung ihren Ursprung. Das grundsätzlich vorhandene Potenzial in Netzwerken wird jedoch nicht überall gleich erfolgreich umgesetzt. Vor diesem Hintergrund wurden in dieser Arbeit Netzwerke im Hinblick auf deren akteurspezifischen Strukturen und räumlichen Reichweiten analysiert um darauf aufbauend Auswirkungen spezifischer Netzwerkstrukturen auf Erfolg und Unternehmensentwicklung darstellen und bewerten zu können. Bei der Betrachtung des aktuellen Forschungsstandes zeigte sich, dass es nicht an Versuchen mangelt, regionale Netzwerke bzw. innovative Milieus theoretisch zu erklären, sondern vielmehr daran, sie empirisch zu überprüfen. Diese Untersuchung arbeitet deshalb theoriegeleitet, aber primär empirisch und stützte sich auf eine im Jahr 2004 durchgeführte empirische Untersuchung eines künstlich implementierten Netzwerkes im Landkreis Cham, das aus 19 Unternehmen und 6 Organisationen besteht. Die Ergebnisdarstellung orientiert sich an den aus der Theorie abgeleiteten Hypothesen, zu denen nachfolgend zusammenfassend Stellung genommen wird.

4.1 Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse

Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass die Beziehungen zwischen den Akteuren im Netzwerk seit Start des Projektes im Jahr 2000 erheblich zugenommen haben. Dabei sind 10 % neue Beziehungen entstanden und 35 % der bereits vorher bestehenden Verbindungen wurden verstärkt. Positiv beeinflusst wurden 18 % der Verbindungen, die als „Beziehungen über normale Beziehungen hinaus" eingeschätzt wurden. Die vertikalen Kontakte, die 40 % der genannten Beziehungen ausmachen, wurden bisher eher nicht beeinflusst. Zu den neuen Beziehungen und zur Intensivierung kam es ausschließlich über die partnerschaftliche Zusammenarbeit in den drei Zielbereichen des Projektes: Forschung und Entwicklung, Marketing und Qualifizierung. Wobei die Zunahme der Beziehungen in den drei Bereichen nicht gleich hoch war. In der Forschung und Entwicklung, einem Bereich in dem erfolgskritische Informationen bei der Zusammenarbeit ausgetauscht werden müssen, wurde eher weniger zusammengearbeitet. Es kam zu einigen wenigen Projekten, wobei erst vor kurzem weitere gemeinsame Arbeiten begonnen wurden Allgemein scheint Vertrauen aufgebaut worden zu sein, da 44 % der Befragten firmeninterne Informationen wie z. B. technische Daten preisgeben würden. Folglich könnte zukünftig in diesem Bereich die Zusammenarbeit zunehmen. Es wurde dabei aber auch angesprochen, dass die allgemeine Kommunikation als Voraussetzung noch erheblich verstärkt werden müsste. Auch im Marketing war bisher die Kooperation noch nicht sehr ausgeprägt. In diesem Bereich wurde trotzdem in der Vergangenheit einiges erreicht. Dies ist vor allem auf das Engagement des Kooperationsmanagements zurückzuführen. Es wurden z. B. Messen organisiert und Werbemaßnahmen durchgeführt. Die größten Erfolge wurden in der Qualifizierung verzeichnet. 18 von 19 Unternehmen haben sich hier beteiligt. Es kam zu einer Intensivierung der Kontakte zur Berufsschule (bei insgesamt 37 %) und zur Volkshochschule (Intensivierung von 26 % der Beziehungen, wobei weitere 37 % der Beziehungen neu entstanden sind). Die Ausbildung zum Mechatroniker wurde z. B. durch das Netzwerk erst ermöglicht. Weiterhin entstanden 37 % neue Kontakte zu einer Fachhochschule. Die unterschiedliche Intensität der Kooperationsbeziehungen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Marketing und Qualifizierung spiegelt sich auch in den Zielen wieder, die von den Unternehmensrepräsentanten genannt wurden. Von 74 % der Befragten wurde als Ziel die Qualifizierung angestrebt. In diesem Bereich entwickelte sich die intensivste Zusammenarbeit und die verfolgten Ziele wurden hier weitgehend erreicht. Weiterhin erwünscht waren auch Marketing und Forschung und Entwicklung, jedoch war dies nicht für so viele Unternehmen das Ziel. Die Vertiefung der Kommunikation wurde ebenfalls von 63 % genannt. Als Grundvoraussetzung jeder Kooperation, ist dies sehr positiv für die allgemeine Netzwerkentwicklung zu beurteilen. Weiterhin wurde die Vergrößerung und die Verkleinerung des Netzwerkes als zwei gegensätzliche Ziele angegeben. Die räumliche Nähe der Netzwerkpartner wird zwar überwiegend als positiv gesehen, jedoch von 71 % nicht als notwendig erachtet. Diese Aussage wurde noch durch die Tatsache unterstrichen, dass viele intensive Beziehungen außerhalb der Region bestehen. Im Vergleich dazu haben nicht so viele Unternehmen intensive Beziehungen im Landkreis. Viele regionsübergreifenden Kooperationsbeziehungen sind aber auch darin begründet, dass im Landkreis zu wenige Ressourcen vorhanden sind. Das Netzwerk als Ganzes und die einzelnen Partner haben vielfältige Beziehungen außerhalb des Netzwerkes. Dies wird durch die heterogene Akteursstruktur noch verstärkt. Die große Bedeutung der Moderation erkennt man daran, dass 41 % sie als wichtig bzw. 59 % als eher wichtig beurteilt haben. Weiterhin erscheint die Häufigkeit der Treffen, die durch die Projektleitung vereinbart werden, als angemessen. Die Moderation wird als überwiegend neutral und unparteilich beurteilt. Insgesamt kann die Moderation als erfolgreich beurteilt werden. Die Machtverhältnisse scheinen größtenteils ausgeglichen zu sein. 59 % gaben an, dass sie genügend Einfluss auf Entscheidungen im Netzwerk haben. Zudem kommt es nach Angaben der Befragten zu demokratischen Entscheidungen. Es gibt zwar dominierende Firmen, dies wird jedoch von 82 % als positiv gesehen. Die großen Unterschiede bei der Unternehmensgröße haben außerdem die Wirkung, dass in einzelnen Bereichen unterschiedlicher Bedarf besteht. Abschließend wurden Zusammenhänge zwischen der Unternehmensentwicklung und dem Netzwerk untersucht. Allgemein stellt sich hier das Problem der Kausalität zwischen der Entwicklung und dem direkten Einfluss des Netzwerkes. 71 % gaben an, betriebswirtschaftliche Vorteile durch das Netzwerk erlangt zu haben. Die erhaltenen Fördermittel hatten auf dieses Ergebnis aber einen nicht unerheblichen Einfluss. Zudem konnte festgestellt werden, dass die Unternehmen, die sich intensiver beteiligen (über durchschnittlich 7,6 Beziehungen), auch eine positivere Unternehmensentwicklung aufweisen. Außerdem haben diese Unternehmen auch mehr Innovationen eingeführt und zwar in durchschnittlich 4,7 von 5 Bereichen. Die anderen Unternehmen hatten hingegen nur in durchschnittlich 3 der 5 Bereiche Innovationen in den letzten drei Jahren auf den Markt gebracht. Sehr viele Faktoren spielen hierfür eine Rolle. Eine direkte positive Wirkung vom Netzwerk auf die Unternehmensentwicklung wird bisher eher nicht vermutet. Die zukünftige Entwicklung wird zeigen, ob das Netzwerk langfristig weiterbestehen wird und auch ob es die entstandenen guten Basisstrukturen nutzen und ausbauen kann. Bisher kann das Netzwerk insgesamt als erfolgreich beurteilt werden, da es zu grundlegenden Beziehungen kam. Um jedoch noch größere Wirkung zu erreichen müssten die Beziehungen noch weiter intensiviert werden. Würden keine weiteren Anstrengungen unternommen könnte das Netzwerk zukünftig nur als Kommunikationsmittel genutzt werden. Dies hängt sehr von den Unternehmen ab, inwieweit diese sich weiter beteiligen. Insgesamt ist davon auszugehen, dass ein Ausbau der Kontakte erwünscht ist. 78 % der Unternehmen gaben an, sie wollen nach Ablauf des Projektes im Herbst 2004 weiter teilnehmen. Bei den restlichen Firmen kommt es darauf an, was zukünftig weiter gemacht wird. Dies zeigt wie wichtig das Management ist, aber auch, dass das Eigenengagement noch ausgebaut werden sollte. Weiterhin ist interessant, welchen Unterschied es machen wird, wenn ab Januar 2005 keine Förderung mehr die Arbeit unterstützt. Das Netzwerk hat gute Chancen auch ohne Fördermittel weiter zu bestehen. Als Anstoß ist die Finanzierung positiv zu bewerten. Eine zu lange Förderung würde die Gefahr mit sich bringen, dass nur wegen der Fördermittel zusammengearbeitet wird und nicht die Zusammenarbeit im Vordergrund steht.